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In meiner Bibliothek findet sich das eine oder andere Schmuckstück. Unter anderem auch die Bullterrier Verein Nachrichten. In der Ausgabe 4/94 schrieb Herr Sewerin einen Artikel zum Thema "Rassereinheit". Zum Nachdenken....
Die heilige Kuh- Rassereinheit
Haben Sie einen rassereinen Hund? Einen mit Stammbaum? Oder ist ihr Hund irgendein Zamperl oder ein Selbstgestickter?
Eine der tragenden Säulen der heutigen Kynologie, das feste Fundament von VDH und FCI ist die Rassereinheit. Der Hund kann sämtliche von Gott verbotenen Krankheiten haben, er kann gestört Epileptiker, Angstbeißer und Spastiker sein, feige und bissig- alles ist erlaubt, solange er nur einen Stammbaum (besser: Ahnentafel) hat, die seine Reinrassigkeit für mindestens drei, eher vier oder gar über fünf Generationen nachweist. Erst dann kann man stolz zum Nachbarn sagen, "Wissen Sie, wir nennen ihn zwar Poldi, aber er ist ein Balinesischer Tempelhund mit sehr vielen preisgekrönten Ahnen!".
Hunde gibt es als Begleiter der Menschen schon seit 14.000 Jahren. 13.900 davon war der Hund Bastard. Nicht unbedingt Pudelpinscherdackel, aber es wurde auch nicht mit Deckmeldung, Wurfabnahme, Zuchttauglichkeitsprüfung und Körung rasserein im heutigen Sinne gezüchtet. Dabei hatten sich Schläge herauskristallisiert, die sehr wohl funktionstüchtig und voneinander unterschieden waren: Schoßhündchen als Begleiter und Seelentröster, Raubzeugkiller, Jagdhunde für alles mögliche Wild, Windhunde, Herdenschutzhunde, Herdentreibhunde, Packer, Wachhunde, Schutzhunde und Kriegshunde.
Diese Hunde wurden durchaus planmässig gezüchtet, wenn auch nicht mit Zuchtbuch und Ahnentafel. Der Schäfer nahm für seine Hündin sicher keinen Schoßhund oder Windhund als Deckrüden, er ging zum nächsten Schäfer, der einen Hund besaß, der seinem in der Funktion in nichts nachstand oder ihn sogar übertraf. Zufällig wurde dadurch die äußere Form bedingt, und nicht umgekehrt. Ein solcher Herdengebrauchshund mußte Stockhaarig sein, ausdauernd und wachsam, gutmütig zu den Tieren und den Schäfer, schützend gegen Fuchs, Schakal, Wolf und Bär, also auch von einer gewissen Größe. Solche Herdenwächter gab es oft in Symbiose mit flinkeren, kleineren Herdentreibern, den Hütehunden. Herdentreibhunde und Herdenschutzhunde entstanden überall auf der Welt, wo der Mensch sie für seine Arbeit brauchte, nicht durch Wanderungen, wie so oft behauptet. Nach dieser These entstanden die jeweiligen Schläge an einem Ort, wie die Tibet- Dogge eben in Tibet und wurden dann über verschlungene Pfade an andere Orte gebracht, so z.B. über die Seidenstrasse, dann quer durch Europa bis nach Spanien, wo sie dann zum Mastin Espanol wurden.
Nach dieser idiotischen Idee wäre dann vielleicht auch der Pekinese von Abenteurern aus dem Palast in Peking geraubt worden, zu See oder Land nach Großbritannien gekommen, wo er dann zum Terrier wurde; oder wurde in Brüssel dann zum Löwchen.
Hunde gleicher Funktion müssen nicht wandern, sie entstehen vielmehr da, wo man sie und ihre Arbeit braucht, innerhalb kurzer Zeit aus einheimischen Rassen. Kaum eine Spezie im Tierreich erlaubt so schnelle Wandlungen in Körperbau, Farbe, Größe und Haarkleid wie der Hund. Wäre wirklich einmal ein Tibet-Mastiff im Mittelalter nach Spanien gekommen, hätte er dort einen sehr ähnlichen Hund angetroffen, den bereits die arabischen Schafhirten kannten.
Natürlich gibt es auch echte Wanderungen. In Australien gab es keine Hunde, sie wurden erst durch die englischen Siedler eingeführt, wenn wir hier aus gewissen Gründen den Dingo ausklammern. Und auch nach Amerika wurden Hunde von den Conquistadoren eingeführt, obschon es mit den Wanderungen über die Beringstrasse schon seit langem auch auf dem Neuen Kontinent Hunde gab. Alanos hießen diese als Kriegs- und Wachhunde importierten spanische Doggen, die später mit anderen Einmischungen als Dogo Argentino und Fila Brasileiro weiterlebten.
Rassereinheit ist also genaugenommen erst ein sehr neuer Begriff. Und alle Besitzer von Rassen, die heute als reingezüchtet gelten, tun gut daran, sich die Geschichte ihrer Rasse einmal vor Augen zu führen...
Fortsetzung folgt....
NUR LEISTUNG VERERBT LEISTUNG!!!!
